Nach Norden

Unsere Reise geht nun weiter nach Minneapolis in Minnesota, wo wir unsere Freunde aus Esslingen besuchen, die wir schon seit über 15 Jahren nicht mehr gesehen haben…

Wir verlassen Chicago, fahren bei La Crosse wieder einmal über den Mississippi und halten in Red Wing.

Vier Tage verbringen wir in Minneapolis  und Umgebung. Carl hat eine Werkstatt für die CBX gefunden, wo ich ungestört schrauben kann. Nach acht Stunden ist das Mopped wieder einsatzbereit mit frischem Öl, eingestellten Ventilen und gereinigtem Luftfilter.

Mehr war nicht zu tun, denn es ist eine CBX!

Über Sioux Falls fahren wir nach Rapid City am Rande der Black Hills. Ein Highlight auf dem Weg ist der Badlands National Park.

Nach den Badlands kommen die Black Hills mit Mount Rushmore und dem Crazy Horse Memorial.
Das Crazy Horse Memorial ist seit 1948 im Bau und soll nach seiner Fertigstellung noch monumentaler als Mount Rushmore sein.

Wir bleiben zwei Tage bei sehr kühlen Nachttemperaturen und fahren dann weiter in Richtung Wyoming und Montana.

 In Great Falls wechseln wir die Reifen. Geordert hatten wir wieder Heidenau K 60, denn wir waren damit sehr zufrieden. Great Falls stand zuerst nicht auf dem Programm, aber Heidenau-Händler findet man nicht überall. Steve’s Motorsport aber hatte welche vorrätig. Eigentlich wollten wir nach dem letzen Debakel keinen Fremden wieder an die CBX lassen, aber Steve war sehr professionell und das Geld wert.

Weiter geht es in den Glacier National Park an den Two Medicine Campground. Die Landschaft ist spektakulär und wir machen eine phantastische Wanderung von über 13 km rund um den Two Medicine Lake.
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Nun ist es nicht mehr weit bis Kanada. Alberta begrüßt uns mit Regen und Kälte. In den Nationalparks Banff und Jasper hat es 15 cm Neuschnee gegeben. Die Tour über den Icefield Parkway muß deshalb für uns ausfallen. Wir nehmen den Highway 22, dort liegen die Temperaturen auch  im einstelligen Bereich, und fahren über Grande Prairie nach Dawson Creek.

Hier in Dawson Creek beginnt der legendäre Alaska Highway und endet nach 2237 km in   Delta Junction/Alaska.

…und morgen geht es los

Weiter geht es gen Norden. Die Landschaft wird spektakulärer, die Übernachtungsplätze einsamer. Die Bevölkerungsdichte nimmt rapide ab, dafür nimmt die Bärenpopulation zu. Manchmal sind wir ganz allein mit Bären und Bibern auf einem Platz am Waldesrand.

Das Wetter schlägt um und es regnet eine ganze Woche mit kurzen Unterbrechungen.

Als wir Yukon erreichen hört der Regen auf und es wird wärmer. So gut uns die Wärme, 20° C, auch tut, der Nachteil sind staubtrockene Pisten. Wenn uns dann die großen Trucks entgegenkommen, geht die Sicht auf NULL. Da waren wir im Nebel doch besser dran, der ist wenigstens abgetrocknet. Der Dreck an Kleidung und CBX ist eine einzige Katastrophe.

Der Alaska Highway führt auch über Watson Lake, dem Standort des Sign-Post- Forest.
Vor 14 Jahren waren wir schon einmal hier und hatten ein Ortsschild von Esslingen angebracht.

Die folgenden Tage auf dem Alaska Highway verlaufen ziemlich unaufgeregt, weil wir nicht sehr viel von der Landschaft sehen. Manchmal regnet es, dann wieder hängen die Wolken sehr tief oder man hat den ganzen Tag eine dunstige Athmosphäre. Kalt ist es nicht, manchmal haben wir sogar 30° C und gehen zur Abkühlung in Whitehorse in einen Schnellimbiss. Auch ist dort eine gute Internetverbindung möglich und wir können die nächsten Campingplätze recherchieren.

Der Grenzübertritt von Yukon (30 km nach Beaver Creek) nach Alaska ist problemlos und dauert knapp zwei Minuten.

Für die Übernachtung in Tok gibt es im Netz einige Empfehlungen für Thompson’s Eagle’s Claw Motorcycle Park. Wir fahren den Platz an und werden nicht enttäuscht. Es sind nicht die sanitären Einrichtungen die uns jubeln lassen, sondern das gewisse Motorradfeeling, das dieser Platz ausstrahlt. Keine PKW, keine RV’s – nur Motorräder mit weitgereisten Fahrern.

In Delta Junction ist das Ende des Alaska Highway erreicht. Die Strecke war anspruchsvoll, manchmal sehr einsam und mit nicht immer eindeutigem Straßenbelag.

Weiter geht es auf dem Richardson Highway nach North Pole, wo wir den Weihnachtsmann besuchen. Von dort ist es nicht mehr weit bis Fairbanks. Hier wollen wir ein paar Tage verbringen. Es muss die Ausrüstung komplettiert werden und es bedarf einiger Internetrecherchen bevor es weitergeht in Richtung Norden.

Unser Zelt in Fairbanks steht direkt am Chena River, aber wir haben weder Strom noch WiFi am Zelt. Dafür hat die Stadt einen sehr guten Outdoorausrüster. Ich kaufe zum horrenden Preis ein Paar neue Lowa Renegade. Eine Isomatte ist bei starkem Wind durch die Gegend getrieben worden und hat ein Leck. Wir zeigen es vor und man ersetzt uns die Matte kostenlos. Danke THERM-A-REST.

Noch ein anderes Problem gilt es zu lösen. Es betrifft unser Zelt Nallo 3GT. Wir bauen es fast täglich auf und ab, es steht in der prallen Sonne, im Starkregen und die Verschleissmerkmale sind zu sehen .Nach Rücksprache mit Hilleberg macht man uns ein Angebot, welches wir nicht ausschlagen können. Am zweiten Tag in Fairbanks steht unser neues Namatj 3GT auf dem Platz.
Jetzt noch Outdoornahrung, Benzinkanister und Motorradöl gekauft. Damit sind wir startklar und fahren am 6. Juli los in Richtung Norden.

Die ersten 100 Kilometer sind mit recht ordentlichem Straßenbelag versehen. Dann die erste Baustelle (Katastrophe), dann wieder ziemlich ebener Asphalt bis Livengood. Dort beginnt der Dalton Highway.

Der „Straßenbelag“ besteht die nächsten 700 km aus Löchern, glatt gefahrenem Erdreich, verfestigten oder losen Schotter, Teerstreifen frisch geölt… und natürlich Staub. Dieser Staub wird durch die großen Trucks aufgewirbelt und wir sehen aus wie die Schweine, inkl. CBX. Damit dieser Staub gebunden wird, besprüht man ihn mit einer wässrig/öligen Emulsion, der Calciumchlorid und Magnesiumchlorid zugesetzt wird. Die Fahrbahn ist dann wie Schmierseife.

Wir übernachten kurz hinter der Brücke über dem Yukon, die zweite Nacht kurz vor dem Atigun Pass, weil wir wegen der dortigen Straßenbesprühung nicht hochkommen. Die letzten 250 km bis Deadhorse frieren wir. Dann endlich das gelbe Gebäude – unser „Hotel“. Zeltübernachtungen sind in Deadhorse u.a. wegen Eisbären nicht erlaubt. Warme Suppe und eine heiße Dusche bringen alle Lebensgeister zurück. Das Abendessen für 20 $ ist sehr reichlich und wir fallen ins Bett.

 

Am nächsten Morgen fahren wir (mit dem Bus) durch die Erdölförderanlagen und den dazugehörigen riesigen Maschinenparks an die Arctic Sea. Es ist beeindruckend. Gegen 11 Uhr sind wir zurück am „Hotel“, tauschen mit anderen Motorradfahrern Erfahrungen aus und starten dann zur ersten Etappe auf der Panamericana (also auf dem Dalton Highway zurück nach Fairbanks).

2 Gedanken zu „Nach Norden

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