Kolumbien

Fünf Tage waren wir auf See und haben die Annehmlichkeiten der Karibik genossen: Auf dem Schiff relaxen, Pilot Wale und Delfine beobachten, auf einsamen Inseln im weißen Sand liegen, Schnorcheln, exotisches Essen genießen…
Doch dann in Cartagena wieder der bürokratische Alltag  mit der Administration, um die CBX hier in Kolumbien legal bewegen zu können.

Am späten Nachmittag ist dann alles erledigt. Wir haben eine Motorradversicherung für unsere nun hier zugelassene CBX. Auch eine akzeptable Unterkunft in der Altstadt haben wir gefunden. Die CBX steht auf dem Innenhof des Hostels „Mamallena“, direkt vor dem Zimmerfenster.  Gegen Abend machen wir uns dann auf den Weg in die Stadt.

Kaffee in Kolumbien

Fünf Tage bleiben wir in Cartagena de Indias, tätigen Einkäufe, suchen Batterien für den Luftdrucksensor, schauen im Cafè del Mar auf der Festungsmauer zu, wie die Sonne im Meer versinkt. Die meiste Zeit lassen wir uns einfach nur treiben, betrachten und fotografieren die bunten Hausfassaden, trinken sehr viel von den frischen und köstlichen Jugos Naturales (Mango, Borojo, Curuba, Guanábana, Lulo, Nispero…). Die lauen Abende verbringen wir in Getsemani bei Arepas und Cerveza.

Ewig können wir nicht in Cartagena bleiben. Die CBX muß vom Meersalz befreit werden und es ist ein Ölwechsel fällig. Außerdem sollten die Ventile kontrolliert und die Steuerketten eingestellt werden. Das wollen wir in Medellin tun.
Ein letzter Blick auf das Mamallena und los geht es auf der Panamericana in Richtung Medellin.

Die Straßen sind in gutem Zustand, aber mautpflichtig. Mautpflichtig für Autos! Motorräder dürfen an den Zahlstationen auf einer Sonderspur einfach durchfahren. Das erinnert an die französischen Autobahnen während des Bol d’Or.
Obwohl wir den ganzen Tag gefahren sind, haben wir nur knapp 200 km geschafft. Es waren sehr viele langsame LKW unterwegs, die nur sehr schlecht zu überholen waren.

Wir übernachten in einem sehr billigen Motel (wird nicht von Indern betrieben) mit einer angeschlossenen Fernfahrergaststätte.

Sehr ungewöhnliche Verkehrszeichen.

Medellín

Einige Tage wollen wir in Medellin verbringen. Im Stadtteil BELÉN
finden wir ein geeignetes Hotel. Es ist preiswert und im abgeschlossenen Kaller kann man schrauben.
Am ersten Tag fahren wir zu Africa Motos und lassen das Öl wechseln. und kaufen Reiniger und Öl für den Luftfilter. Obwohl wir zeitig da waren, hat es den ganzen Tag gedauert. Langweilig wurde uns nicht, denn das ganze Stadtviertel bestand fast ausschließlich aus Motorradläden und -Werkstätten.
Obwohl es neben den Unmengen an kleinen Bikes (100 ccm bis 250 ccm) auch viele große Maschinen gab, wurde der Sechszylinder ausgiebig begutachtet.

Die CBX ist durchgeschaut und eingestellt. Technisch ist sie in Ordnung, die Optik lässt sehr zu wünschen übrig. Eine Woche auf See  hat Rost produziert an allen blanken Stellen.
Doch jetzt steht sie wohl verwahrt im Keller und wir können die Stadt genießen. Wir fahren sehr preiswert mit Bus und Seilbahn. In Santo Domingo ist  Schluss, wir kommen nicht weiter, denn die Seilbahn wird gewartet. Dafür verbringen wir viel Zeit in der Stadtmitte  auf dem Plazoleta de las Esculturas bei den sehr üppigen Stauen von Fernando Botero.

…und täglich fegt der Leibwächter

El Peñón de Guatapé

Natürlich sind wir die 700 Stufen hochgestiegen und haben von oben auf den riesigen und stark verzweigten Stausee Peñol-Guatapé heruntergeschaut. Bei einer Bootsfahrt auf dem Stausee haben wir uns die Anwesen der Neureichen angeschaut, auch Escobars zerstörte Villa.

Ein paar Fotos davon kann man hier anschauen. Die Entstehungsgeschichte vom See kann man hier nachlesen.

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So schön es auch am Felsen Peñón und in Guatapé war, lange können wir nicht hier bleiben. Wir haben schon wieder einen Termin. Diesmal in Bogotá beim Heidenau-Händler. Von Medellin bis Bogotá sind es knapp 450 km. Das ist nun keine so riesige Entfernung, aber wir machen trotzdem zwei Etappen daraus. Die Durchschnittsgeschwindigkeit hier in Kolumbien ist nicht sehr hoch. Das liegt einmal am Straßenzustand und an den vielen Trucks, die sich im Schritttempo die Berge hochquälen. Durch die fast pausenlose Aneinanderreihung von Kurven ist ein Überholen fast nicht möglich. Dazu kommt noch eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit bei ca. 30° C. Ein wenig besser wird es, als wir Bogotá erreichen. Dort haben wir aber andere Probleme. Die Stadt liegt auf einer Höhe von  2640 m. Da ist die Luft schon dünn, so dass an den Ampeln die CBX einfach abstirbt.
Es ist aber nicht nur der Hinterradreifen, der uns in die Hauptstadt treibt. Seit wir in Kolumbien sind haben wir nämlich ein richtiges Problem. Bei all unseren Reisevorbereitungen haben wir alle möglichen Eventualitäten durchgespielt und sind unbesorgt losgefahren. Es gab nichts was wir nicht unterwegs hätten lösen können – dachten wir. Wir wären nie auf die Idee gekommen, dass wir mit unseren Smartphones hier in Kolumbien keine SMS empfangen können. Diese SMS benötigen wir aber, um auf unser Hauptkonto zugreifen zu können. Ohne dieses Hauptkonto können wir hier nicht lange überleben. Seit Cartagena versuchen wir deshalb mit unserer Bank Kontakt aufzunehmen. Vor ein paar Tagen kam dann endlich eine Antwort in Form von dürren, nichtssagenden Worten. Wir waren so schlau wie zuvor auch. Weitere Anfragen von unserer Seite wurden ignoriert.
Am dritten Tag in Bogotá stand unser Entschluss fest: Wir müssen zurück nach Deutschland, die CBX bleibt hier und wir kehren nach einer gewissen Zeit wieder nach Kolumbien zurück.
Zuerst haben wir einen sicheren Unterstellplatz für die CBX gesucht und auch gefunden. Da unser jetziger Aufenthalt limitiert ist auf 90 Tage, der Verbleib der CBX ebenso, müssen wir zum Zoll und eine Verlängerung für das Motorrad erwirken. Doch welcher Zoll ist dafür zuständig? Vielleicht der auf dem Flughafen? Leider nein, die haben uns zur Migration geschickt (um uns loszuwerden, hingegangen sind wir aber nicht).

Die nächste Zolladresse war in der „Calle 26“. Dort haben wir zwei Stunden zugebracht, aber nicht ganz umsonst. Ein freundlicher Zollbeamter hat für uns recherchiert und uns dann in Richtung Flughafen auf einen halbstündigen Marsch geschickt. Sogar den Namen des Ansprechpartners gab er uns. Es war eine Frau vom Typ „Geht nicht und kann ich nicht“ (Geht nicht und kann ich nicht sind die Brüder von will ich nicht). Um uns loszuwerden, verwies sie uns an den Beamten vom Import. Der meinte, wenn wir einen sehr dringenden Bedarf in Deutschland nachweisen könnten, wäre eine Ausreise ohne Motorrad möglich. Die Nachweise können wir ihm auch vorlegen, wenn wir wieder zurück in Kolumbien sind. Natürlich haben wir sehr dringende Dinge in Deutschland zu erledigen, die wir auch mit Unterschriften und Stempeln (sehr wichtig!) belegen können. Wir meinen damit aber nicht die Kündigung unseres Kontos bei der Bank.Die Möglichkeiten an unser Geld auf der Bank zu kommen, sind gleich Null. Wir müssen zurück nach Deutschland. Der Start von Bogota ist am Samstag, 22. Februar 2020. Zurückkehren werden wir am 20. August 2020 und unsere Reise mit der CBX fortsetzen.

Ein wenig Zeit verbleibt uns hier aber jetzt noch. Wir besuchen deshalb das Goldmuseum  und schauen uns im Zentrum ein wenig um.

Am 22. Februar haben wir Bogotá verlassen. Die CBX steht warm, trocken und sicher in einer Garage. Es sind nur noch wenige Tage bis wir sie wieder zum Leben erwecken werden.

Ganz CBX-los ist die Zeit hier aber nicht. Die Teilnahme an zwei großen CBX-Ereignissen wird von uns hier vorbereitet:

CBX Treffen in Frankreich
&
Classic Racing in Spa Francorchamps

 

 

…und andere Dinge während des Zwangsaufenthalts

Heute, am 27. Juni 2020, zeigt der Count-Down-Zähler noch 54 Tage bis zum Abflug nach Bogota.
Nach der augenblicklichen Lage der Dinge müssen wir davon ausgehen, dass wir am 20. August nicht nach Bogota fliegen können. Kolumbien ist noch bis Ende August geschlossen, Peru und Chile sogar bis Ende Oktober.
Unser  Ziel in Südamerika war Ushuaia. Diesen Ort können wir mit der CBX nur im Sommer, also Dezember bis Ende Januar anfahren.  Wir müssen also noch mindestens bis nächstes Jahr ca. März/April warten. Dann werden wir auch unsere Berichte hier auf dieser Seite bei „Kolumbien, Teil 2“ fortsetzen.

Andere Aktivitäten kann man unter „Pause in der Zivilisation“ nachlesen.

Heute, am 20. August 2020, sollte unser Flugzeug starten. Es ist nicht gestartet, Kolumbien ist für Touristen bis zum 31. August komplett gesperrt. Chile, Peru und Argentinien noch sehr viel länger.

Wir geben nicht auf!

Unseren nächsten Anlauf werden wir in der 2. Juliwoche 2021 machen. Bis dahin wird hoffentlich viel passieren, so dass wir unsere Pläne fortsetzen können.
Wir werden zu den CBX Treffen in Frankreich und der Schweiz fahren. Und dann endlich wieder Spa Francorchamps!

Noch

Kolumbien, Teil 2

8 Gedanken zu „Kolumbien

  1. Sehr schöne Impressionen und Eindrücke. Das macht noch mehr lust auf unseren Plan. Wenn Ihr denn mal wieder da seit müssen wir uns auf jedem fall mal treffen zwecks Erfahrungsaustausch. Euch weiter gute Fahrt.
    Liebe Grüße Thomas & Susanne

    1. Jetzt geht das Abenteuer erst richtig los, denn wir können hier in Kolumbien keine SMS aus Europa empfangen. SMS benötigen wir aber wegen unserer Bankgeschäfte. Also auf nach Ecuador, vielleicht geht es dort…

  2. So, nun hat euch also Kolumbien! Wahnsinn, was ihr alles erleben dürft. Und schön, dass ihr uns „Daheimgebliebenen“ teilhaben lasst. Weiterhin gute Reise und bleibt gesund und munter.

  3. That is very interesting indeed, how many miles is on the CBX now. That is a hell of a lot of worry for you both with the money and trying to keep your self’s and the CBX safe. Safe onward travels and God’s blessings on you both. Rather you than me

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