Mittelamerika

Guatemala empfing uns laut,  farbenfroh und sehr chaotisch. Der Grenzübergang (Frontera  La Mesilla) von México nach Guatemala war kaum als solcher zu erkennen. Überall, auch an den offiziellen „Grenzbüros“, waren Verkaufsstände mit sehr lauter Musikbeschallung, Geldwechsler, schreiende Verkäufer… und das alles auf einer Straße, die den Namen nicht verdient: Schlagloch an Schlagloch, unterbrochen nur von den Topes.
Ohne GPS hätten wir es niemals gefunden.  FOTOS

 

Langsam wird es dunkel und wir haben noch 6 Km zu fahren. Das hört sich nicht viel an, aber zu Fuß wären wir schneller gewesen. Dann endlich die langersehnte Lichtreklame: HOTEL
Wir biegen ab und finden nach all dem Chaos eine Oase der Ruhe. Es gibt Cervesa, leckeres Abendessen, eine saubere Unterkunft, einen sicheren Stellplatz für die CBX und warmes Wasser.

Den Jahreswechsel verbringen wir am Lago de Atitlán. Dort treffen wir auch unsere „alten“Bekannten Jan und Marishka aus Holland wieder.
Pünktlich um Mitternacht beginnt das Silvesterfeuerwerk. Es ist beeindruckend was hier in die Luft geschossen wird. Gegen 3 Uhr kehrt Ruhe ein und auch wir begeben uns in die Schlafsäcke.

Lange schlafen können wir nicht, denn noch liegen viele Kilometer bis Panama vor uns. Unser heutiges Ziel heißt Antigua. Wir sind zeitlich gut unterwegs bis zum Schild, wo etwas mit einer Brücke steht. Zwei Minuten später wissen wir was darauf stand. Es gibt die Brücke nicht mehr, wir müssen durch den Fluss. Wir rödeln das Gepäck ab, fahren durch, packen wieder und weiter geht es bis Antigua. Der Campingplatz ist fest in deutscher Hand: Wir, Heilbronner, Zwickauer und natürlich wieder unsere Holländer. Zusammen mit Jan und Marishka gehen wir in die Stadt zum Abendessen. Dort im Zentrum ist die Hölle los. Es werden Unmengen Raketen in die Luft geschossen und Böller gezündet. So etwas haben wir noch nie gesehen und gehört. Die Luft ist, als wäre einer von den umliegenden Vulkanen ausgebrochen.

Zwei Tage verbringen wir in Antigua, dann geht es strikt weiter nach El Salvador.

El Salvador empfängt uns freundlich und wesentlich ruhiger als der letzte Grenzübergang. Es ist Samstag und es ist nicht viel los. Wir müssen aber trotzdem das altbekannte Prozedere durchlaufen: Guatemala abmelden, Motorrad beim Zoll abmelden. Dann ein paar hundert Meter weiter bei den Grenzbeamten von El Salvador anmelden und die CBX beim Zoll ebenfalls anmelden. Dort beim Zoll gab es die ersten Schwierigkeiten. Auf die Frage des Beamten, ob das Motorrad ein oder zwei Zylinder hat, antwortete ich, dass es sechs Zylinder seien. Das ging eine ganze Weile hin und her, bis er sein Büro abschloss und das Motorrad sehen wollte. Was dann folgte, dürfte allen Sechszylinderfahrern bekannt sein: erst die rechte Hand zum Zählen, dann noch die linke Hand dazu. Übrigens dieser Grenzübergang war vollkommen kostenlos, hat aber trotzdem zwei Stunden gedauert.

Wir fahren noch eine Stunde bis zum Pazifik, finden einen sehr günstigen Platz ohne Dusche und sehr grenzwertiger Toilette. Dafür sind aber alle sehr freundlich und hilfsbereit. Trotzdem verbringen wir den Abend 250 m weiter bei den Schönen und Reichen, wo es keinen Müll gibt. Der Müll in El Salvador ist für uns ein sehr großes Problem. Überall, auch auf unserem Campingplatz, liegen Plastikflachen, Teller, Tassen, Becher, Verpackungen….
Der nächste Platz, Adeles Campground und Restaurant, ist da schon besser, der Weg dorthin nicht. Noch etwas fällt auf: im Gegensatz zu Mexiko und Guatemala gibt es nur sehr wenig Polizei- und Militärkontrollen.

Honduras beginnt mit einem „Überfall“ der Grenzhelfer auf uns. Die Pässe und Fahrzeugpapiere werden uns förmlich aus den Händen gerissen. Wir müssen uns um nichts kümmern, alle Stempel und Kopien werden von den Grenzhelfern herbeigeschafft. Trotzdem hat der ganze Papierkrieg fast zwei Stunden gedauert. Wir bezahlen die fleißigen Helfer und fahren los.

Unsere heutige Tagesetappe in Honduras beträgt etwas mehr als 200 km. Das hört sich jetzt nicht sehr viel an,aber wir müssen vor Einbruch der Dunkelheit am Hotel sein. Campingplätze liegen leider nicht mehr auf unserem Weg.
Die Straßen in Honduras sind sehr ordentlich. Der Verkehr ist gesitteter als in El Salvador oder México. Die Vermüllung der Landschaft ist noch immer vorhanden, aber nicht mehr so schlimm wie in El Savador.
Viele Eindrücke können wir nicht sammeln, denn wir fahren einfach nur durch.

Nicaragua hatte uns im Vorfeld einige Kopfschmerzen bereitet, denn man sollte ca. 14 Tage vor Grenzübertritt ein Onlineformular ausfüllen.Das hatten wir natürlich nicht und konnten es uns auch nicht richtig vorstellen, dass es für das Passieren entscheidend sein könnte. Auch berichteten andere Reisende von einem langen Procedere.
Letztendlich war der Übergang sehr einfach und schnell, nicht übermäßig teuer und ohne Hilfe zu bewältigen.

Schon nach wenigen Metern in Nicaragua „fehlte“ etwas: Der uns seit México störende Müll, der überall an den Sraßenrändern herumlag. Auch die Häuser sahen anders aus als in den zurückliegenden Ländern. Alles war sauber und ordentlich, warum auch immer.

Für die erste Übernachtung haben wir uns ein kleines Hostel am Pazifik ausgesucht.

Zwei Tage wollen wir in Nicaragua bleiben. Da es fast keine Campingplätze gibt, suchen wir wieder ein Hotel. Am Lago Cocibolca (Nicaraguasee) werden wir fündig.
Im See liegt eine Insel mit zwei Vulkanen und direkt vor dem Hotel legt eine Fähre ab zur Insel Ometepe. Diese Insel ist die größte Vulkaninsel der Welt, die in einem Süßwassersee liegt. Leider spielt das Wetter nicht mit, der Himmel ist voller Wolken und somit können wir die Vulkane mehr erahnen als sehen. Wir fahren nicht hinüber und genießen ein wenig die Annehmlichkeiten des Hotels.

Die beiden letzten Hotels haben uns sehr gut gefallen. Außerdem lagen sie im preislichen Rahmen. Da tut sich natürlich die Frage auf, warum das nicht in allen Hotels so ist: Beide hatten ausländische Eigentümer, die auch vor Ort waren.

Costa Rica fordert unsere Geduld heraus.Trotz sehr moderner Gebäude an der Grenze arbeiten die Beamten immer noch wie vor vielen Jahren. Ein wenig Verständnis müssen wir aber aufbringen, denn die Außentemperatur liegt bei 34° C. Nach gut 3 Stunden und ca. 50 US Dollar ärmer sind wir also an der „reichen Küste“. Die Straßen sind im Bestzustand, wir sehen keine Elendsviertel und KEINEN MÜLL am Straßenrand, dafür Natur pur in Form tropischer Wälder.

Panama als unser letztes Land in Mittelamerika macht uns die Einreise schwer: Stempel, Kopien, Kopien von Kopien, Motorradversicherung…
Wir benötigen über drei Stunden bis wir einreisen dürfen. Dann aber an der Tankstelle das erste Highlight. Der Liter Superbenzin kostet hier nur 0,79 US-Dollar. Das zweite Highlight ist La Isleta, ein Restaurant mit Campingplatz, direkt an der Panamericana gelegen.

Von La Isleta fahren wir noch gut 100 Km auf der Panamericana und biegen dann ins Landesinnere zum erloschenen Vulkan El Valle ab.
Im Krater liegt der beschauliche Ort El Valle de Antón. Auf dem Gelände des Hostels La Casa de Juan stellen wir unser Zelt auf, erledigen die letzten offenen Arbeiten für die Überfahrt nach Kolumbien und genießen das Leben. Knapp zehn Minuten zu Fuß vom Campingplatz haben wir eine Bäckerei gefunden, die excellenten und preiswerten Kaffee anbietet.  Mittelamerika ist zwar ein ziemlich exclusives Kaffeeanbauland, aber guter Kaffee in Restaurants ist selten, warum auch immer.

 In dieser Bäckerei genießen wir unser Frühstück, bevor wir in die umliegende Natur aufbrechen oder Geschäfte nach fehlenden Dingen abgrasen. Für die Überfahrt nach Kolumbien sollte man das Motorrad mit einer Plane vor Seewasser schützen. Ganz am Ende des Dorfes werden wir fündig.
Auch machen wir einen Weg ausfindig, der zum Kraterrand des Vulkans führt. Die ersten Höhenmeter gehen durch den Dschungel mit allerlei seltenem Getier. Oben am Kraterrand brennt die Sonne unbarmherzig und verschafft uns einen Sonnenbrand.
Auf dem Markt im Dorf gibt es kühlendes Aloe Vera für die verbrannte Haut.

Fünf Tage stand das Mopped ungefahren herum. Es wird Zeit, wir machen uns auf den Weg nach Panama City. Dort gibt es ein „Amt“ wo die CBX überprüft wird ob es eine CBX ist und wir damit auf das Schiff in Puerto Lindo können. In der Nähe des „Amtes“ gibt es ein Hotel mit einem sicheren Stellplatz für das Mopped. Das Hotel ist wirklich sehr gut, aber das Viertel, in dem es liegt, sollte man im Dunkeln lieber nicht betreten.
Am Sonntag Vormittag erkunden wir mit der CBX den Weg zum „Amt“. Wir finden es, halten an und schauen ein wenig. Neben uns hält ein Porsche, das Fenster geht herunter und der Fahrer empfiehlt uns hier lieber nicht so lange stehen zu bleiben.
Aber Panama City hat eine sehr schöne Altstadt, die rappelvoll ist mit Touristen aus aller Welt. Das ist auch nicht so unser Ding.
Am Rande „unseres“ Viertels gibt es einen großen Fischmarkt und daneben ein noch sehr viel größeres Fischrestaurant. Das ist voll mit Einheimischen, hat eine sehr hohe Geräuschkulisse, aber sehr leckeren und preiswerten Fisch. Da kann man es schon eher aushalten.

Nach der Überprüfung in Panama City müssen wir noch zur Aduana (Zoll) nach Colón. Hier in Colón finden wir ein nettes Hostel mit Campingplatz direkt am Rande des Dschungels. Auch beim Zoll bekommen wir problemlos das wichtige Ausreisedokument. Nun kann die Segeltour losgehen, doch der Kapitän schreibt eine WhatsApp, dass die Abfahrt um einen Tag verschoben wird. Er schreibt auch, dass er die CBX gerne schon am Freitag verladen möchte. Wir buchen den Campingplatz eine Nacht länger und reservieren ein Hotel in Puerto Lindo. Nun haben wir noch einen Tag Zeit für einen abenteuerlichen Dschungelspaziergang.

Es bleibt auch noch genügend Zeit für die Besichtigung des Panamakanals. An der Schleuse Miraflores ist ein Besucherzentrum eingerichtet worden. Kurz vor der Scleuse weist ein Schild den richtigen Weg. Wir machen ein Foto vom Wegweiser und der CBX. Neben uns hält ein Auto. Die Insassen wollen ebenfalls ein Bild von sich am Wegweiser. Es sind Deutsche und wir erfahren, dass in Colón gerade ein Kreuzfahrtschiff angekommen ist.  Am Besucherzentrum werden dann unsere schlimmsten Befürchtungen wieder einmal bestätigt – es ist rappelvoll. Aber der Verzicht einer Besichtigung fällt uns nicht schwer, denn es kostet pro Person 20$, außerdem ist kein Schiff in der Schleuse und auch rechts und links keines zu sehen.

 

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Auf unserem Weg nach Puerto Lindo liegt der Nationalpark Soberania. Einen kurzen Abstecher machen wir auch dorthin. Es ist wilder Dschungel. Um das ganze Spektrum auszukosten, müssten wir unser Zelt für ein par Tage aufschlagen. Diese Zeit haben wir nicht, denn das Schiff für die Überfahrt nach Kolumbien wartet nicht. So sind wir also am späten Nachmittag in Puerto Lindo im Hostel „Wunderbar“.

 

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Das „Wunderbar“ ist wirklich wunderbar,es liegt direkt am Rande des Dschungels. Die Zufahrt mit der vollbeladenen CBX ist nicht ganz einfach, aber die uns umgebende Natur entschädigt uns.
Jetzt muß noch das Gepäck richtig aufgeteilt werden, denn noch heute soll die CBX verladen werden. Der Hafen ist nicht sehr weit vom Hostel entfernt, in weniger als fünf Minuten sind wir da und sehen die „Wildcard“. Sie steht noch an Land. Doch in gut einer Stunde ist sie im Wasser, die CBX an Deck und das Gepäck verstaut. Wir treten den „Heimweg“ an, trinken ein paar gut gekühlte Bier und lauschen den Klängen des Urwaldes.

Morgen stechen wir in See in Richtung Koumbien!

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